Workshop: Jungpflanzen-Anzucht

Praktische Informationen zur Anzucht von Gemüse und Kräutern

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Pflanzen, die nicht direkt im Beet gesät werden sollen, zieht man in einer Vorkultur an und kann sie dann später als Jungpflanzen setzen. Dies sind z.B. viele Salate und Kohlgewächse, Gurken, Kürbis und Zucchini aber auch Kräuter, insbesondere wenn es sich um sehr feine Samen handelt. Zwingend notwendig ist es für Tomaten, Paprika, Aubergine und Basilikum, die wärmeliebende und frostempfindliche Pflanzen sind.

Wir möchten Euch heute vorstellen:
– Welches Material man für die Anzucht braucht
– Was bei Aussaat und Pflege zu beachten ist
– Welche Bedingungen herrschen müssen
– Wie man das Ergebnis zusätzlich beeinflussen kann

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Materialien

Saatgut:
– Kann man selbst gewinnen, wenn man bereits samenfeste Sorten selber angebaut hat (kein Hybriden)
– Kann man auf Saatgutbörsen erwerben / tauschen
– Kann man im Handel erwerben, z.B. bei https://www.bingenheimersaatgut.de (Biosupermärkte haben auch oft ein gewisses Sortiment im Frühjahr vorrätig) oder https://www.dreschflegel-shop.de/

Aussaatgefäße:
– Anzuchtschalen mit durchsichtiger Haube (quasi ein kleines Indoor-Gewächshaus)
– Anzuchttöpfe aus biologisch abbaubarem Material (Holz- oder Kokosfaser)
– Eierkartons
– Aus Zeitungspapier gepresst (mittels Papiertopfpresse aus Holz, gibt es beispielsweise bei Manufactum (http://media.manufactum.com/is/content/Manufactum/o-pdf/65386_Papiertopf-Presse.pdf)

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Anzuchterde:
Anzuchterde ist besonders nährstoffarme Erde, damit die kleinen Pflänzchen gut Wurzeln bilden können. Man kann sie selber herstellen (siehe z.B. http://www.gartenlexikon.de/gartenpraxis/gartenpflege/substrat/aussaaterde-herstellen.html) oder im Fachhandel kaufen – natürlich „bio“ und „torffrei“ (beim BUND findet Ihr einen Einkaufsführer, https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/naturschutz/naturschutz_einkaufsfuehrer_torffreie_erden.pdf).

Eine helle Fensterbank (möglichst ein Südfenster):
Eventuell kann man ein mobiles Mini-Folienhaus (Regal) für Balkon oder Terrasse zum Einsatz bringen.

Liebe, Geduld und ein bisschen Fingerspitzengefühl…

Vorgehen

Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat hängt ganz von Art und Sorte des Gemüses oder der Kräuter ab. Bei im Handel erworbenen Samen ist dies normalerweise auf der Saatgut-Verpackung oder im Katalog angegeben. Vor März geht es normalerweise nicht los. Unter http://www.knauber-freizeit.de/aussaatkalender-gemuese findet man eine Tabelle einiger Standard-Gemüse- und Kräuter-Sorten mit ihren Aussaatzeitpunkten (https://www.knauberwelt.de/wp-content/uploads/2016/08/8799653724190_Gem_se_und_Kr_uter_Aussaat_3288_pdf).

Zunächst befüllt man das Gefäß mit der Anzuchterde, wässert diese und drückt sie sehr gut an. Die sich bildenden Wurzeln sollen engen Kontakt zur Erde haben und wachsen stabiler, wenn sie sich etwas durch die Erde arbeiten müssen.

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Dann verteilt man das Saatgut auf der Erde. Entweder man „streut“ einfach, in dem Versuch, nicht alle Samen auf einem Haufen zu haben. Oder man „legt“ die Samen einzeln. Das hängt sehr von der Größe des Saatgutes ab und davon, ob man direkt in „Einzelgefäße“ säht oder später die kleinen Pflänzchen vereinzelt. Dies hängt eventuell wiederum davon ab, wieviel Platz man zur Verfügung hat (siehe Standort).

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Je nach Art der Keimung des Saatgutes – es gibt Lichtkeimer und es gibt Dunkelkeimer – wird nun die entsprechende Menge an Aussaaterde (alternativ bei Lichtkeimern auch Sand oder Vermiculite) darauf verteilt. Bei Lichtkeimern darf die Schicht nur 0,5 cm dick sein, Perfektionisten können ein feines Küchensieb zur Hilfe nehmen, um die Erde darauf zu verteilen. Bei Dunkelkeimern gilt die Faustregel, dass die Erdschicht etwa dreimal der Stärke des Saatgutes entsprechen sollte.

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Auch hier geben bei im Handel erworbenem Saatgut die Verpackung oder der Katalog zumeist Aufschluss über die Aussaattiefe. Aber auch hierüber gibt es Übersichtstabellen (z.B. bei http://biogemuese.de/saatinfo.htm). Die Gefäße bzw. gesäten Reihen gut beschriften!

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Standort

Der Standort muss hell und warm sein – jedoch unterschiedlich warm. Zum Keimen gibt es individuelle Mindesttemperaturen und es gibt optimale Keimtemperaturen. Beide Angaben kann man für zahlreiche Gemüse- und Kräutersorten der erwähnten Saat-Info-Tabelle entnehmen. Häufig ist eine Fensterbank Richtung Süden der richtige Ort. Manchmal ist das Material der Fensterbank jedoch sehr kalt, so dass man eine Isolierung, z.B. aus mehreren Schichten Zeitungspapier auf die Fensterbank unter das Aussaatgefäß legen sollte.

Manchmal ist gerade zu Beginn der Saison noch eher zu wenig Licht vorhanden. Hier kann man durch das Spannen von Alufolie zwischen Fensterbank und Raum und die dadurch erzeugte Lichtreflexion die Helligkeit für die kleinen Pflänzchen erhöhen. Stehen die Pflänzchen auf Dauer zu dunkel und zu warm, wachsen sie dünn und instabil.

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Sind die Keime aus der Erde getreten, sind nämlich etwas kühlere Temperaturen als noch beim Keimen vorteilhaft. Bei ca. 10°C Außentemperatur können die Pflänzchen nach draußen. Vorsicht ist bei Kohlpflanzen geboten: fällt die Temperatur doch noch mal unter 10°C ist das für Kohlpflanzen das Signal „Winter“ und die Pflanzen gehen anschließend in die Blüte, statt in die Kopfbildung.

Pflege

Gießen muss man sehr regelmäßig. Die Saat darf nicht mehr austrocknen, nachdem sie in der Erde ist. Da das Gießen mit einer Gießkanne so manches Saatgut einfach wegspülen würde, benutzt man am besten eine Sprühflasche, oder man hat die Möglichkeit, die Pflanzschale von unten zu wässern.

Haben die Pflänzchen einen stabilen zweiblättrigen Status erreicht, muss man sie ggf. vereinzeln, wenn sie zu dicht beieinander stehen. Dies nennt man pikieren.

Gedüngt wird in diesem ganzen Prozess nicht. Im Gegenteil: die Anzuchterde ist besonders nährstoffarm. Dies unterstützt die Pflänzchen dabei möglichst gute Wurzeln zu bilden, die ihnen dann in späteren Stadien dabei helfen, die nötigen Nährstoffe für das Wachstum dann bestmöglich aus der Erde zu ziehen.

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Spezielle Einflüsse:

Wer mag richtet sich für die Aussaat nach dem Mondkalender (https://www.aussaatkalender.com) nach Maria Thun. Hier gibt es spezielle Tage oder Zeiträume in denen verschiedene Pflanzengruppen durch die jeweilige Mondphase begünstigt sind.

Rezept für Aussaaterde:

Es gibt zahlreiche Varianten für die genaue optimale Zusammensetzung einer selbstgemachten Aussaaterde. So kann man beispielsweise Aussaaterde speziell für Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer mischen.

Man nehme für eine generell taugliche Aussaaterde 1/3 Gartenerde, 1/3 reifen Kompost und 1/3 Sand. Eventuell gibt man noch eine Prise Gesteinsmehl oder Hornspäne dazu. Alles wird gut gesiebt und gemischt. Danach muss es sterilisiert werden. Das passiert am besten in einem ausrangierten Backofen (45 Minuten bei 150° C) oder auch in der Mikrowelle (10 Minuten bei 800 Watt). Durch dieses „Backen“ werden die Sporen und Keime abgetötet.

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